Bauen und Wohnen Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

Strohgedämmte Gebäude

Strohgedämmte Gebäude

Stroh, eines der wichtigsten landwirtschaftlichen Nebenprodukte, wird in der Regel als Einstreu in der Tierhaltung genutzt oder zum Ausgleich der Humusbilanz wieder in den Boden eingearbeitet. Darüber hinaus bestehen jedoch erhebliche Potenziale für eine höherwertige Nutzung, wie z. B. in modernen Strohfeuerungsanlagen oder als Baustoff. So findet Stroh u. a. in Form von Strohbauplatten oder als Leichtzuschlag in Lehmprodukten Verwendung. Eine in Deutschland noch relativ junge Entwicklung ist die Nutzung ganzer Strohballen zum Bau von Gebäuden. Beispiele in anderen Ländern verweisen dagegen auf eine deutlich längere Tradition und auch auf den nachhaltigen Wert von Strohbauweisen.

Energieeffizienz und Ressourcenschonung bereits beim Bau von Gebäuden lassen Strohbauweisen als besonders nachhaltige Alternative zu konventionellen Bauweisen erscheinen. Vorteilhaft sind auch
Aspekte der regionalen Wertschöpfung im ländlichen Raum und die Möglichkeit, Strohbaustoffe mit vielen weiteren Naturbaustoffen im gesamtheitlichen Baustoffkonzept eines Gebäudes zu verbinden.

Mitteleuropäische Klimabedingungen und eine moderne Bautechnologie erfordern jedoch eine besondere Anforderungen an die Baukonstruktion und Bauphysik.

Einführung

Naturbelassene Getreidestrohballen aus landwirtschaftlicher Herkunft eignen sich hervorragend als Wärmedämmstoff für Außenbauteile von Gebäuden. Wände und Dächer, die hiermit ausgefacht werden, erreichen nicht nur höchste Dämmstandards, sondern sparen bereits Energie bei ihrer Herstellung. In der Praxis haben sich Strohbauten unterschiedlichster Ausführungsart bewährt. Die Baustoffeigenschaften und das bautechnische Verhalten von Strohballen werden von Fachleuten seit Jahren untersucht und erprobt. Erstmals wurden strohgedämmte Wände von nordamerikanischen Siedlern im holzarmen Nebraska um die vorletzte Jahrhundertwende errichtet.

Nachhaltigkeit

Die Energieeffizienz der Gebäudehülle und der wärmetechnischen Anlagen eines Gebäudes findet bei Bauentscheidungen bereits heute starke Berücksichtigung. Sie ist von direkter monetärer Bedeutung, weil Energiesparen auch Geldsparen bedeutet und sie ist zudem gesetzlich über die Energieeinsparverordnung (EnEV) geregelt, die in Auslegung der EU-Gebäuderichtlinie in den kommenden Jahren für den Neubau und für Sanierungen weitere Anhebungen des Mindeststandards fordern wird.

Die Verwendung von Baustrohballen als Dämmstoff bringt eine Reihe von Vorteilen hinsichtlich der Nachhaltigkeit des gesamten Bau- und Herstellungsprozesses mit sich, die sich über alle drei Bereiche der Nachhaltigkeit erstrecken: der ökologischen, der sozialen und der ökonomischen.

Bauaufsichtliche Anerkennung

Strohgedämmte Holzbauten können bezüglich ihrer baurechtlichen Anforderungen und Möglichkeiten zunächst als Holzbauten mit brennbarer Dämmung eingestuft werden. Werden Strohballen als bauaufsichtlich zugelassener Dämmstoff „Baustrohballen“ eingesetzt und der Anwendungsbereich der zugehörigen allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung Z-23.11-1595 eingehalten, können solche Gebäude, auf dem üblichen Wege beantragt und genehmigt werden. In den jeweiligen Landesbauordnungen ist festgelegt, dass nur geregelte bzw. bauaufsichtlich zugelassene Bauprodukte
eingesetzt werden dürfen.

Strohgedämmte Bauteile

Die Konstruktionsart entspricht im Wesentlichen dem Holzrahmen- bzw. Holztafelbau, wobei die Ballen entweder direkt verputzt oder mit Platten bekleidet werden. Bei der plattenbekleideten Konstruktionsart erfolgt die Aussteifung und innere Bekleidung über eine Holzwerkstoffplatte oder eine Diagonalverschalung, bei der direkt verputzten Ausführungsart über eine im Stroh eingefräste zimmermannsgerecht ausgeführte Strebe. Der Stützenachsabstand beträgt bei der plattenbekleideten Ausführungsart vorzugsweise einen Bruchteil der horizontalen Plattenabmessungen, je nach Zulassung z. B. 62,5 cm oder 83,3 cm. Bei der direkt verputzten Ausführungsart kann der Abstand an die Abmessungen der Ballen angepasst werden und stellt insofern eine Erleichterung für den lückenlosen Einbau der Strohballen dar. Er kann als lichtes Zwischenmaß von 96 cm (2 Ballenbreiten minus ca. 2 cm infolge Komprimierung) betragen.

Baustrohballen

Baustrohballen bestehen aus Getreidestrohhalmen, die in landwirtschaftsüblicher Weise zu quaderförmigen Ballen gepresst sind. Als unbehandeltes, zunächst loses, pflanzliches Material ist es grundsätzlich als mikrobiell gut verwertbares, brennbares Material anzusehen.

Für die Verwendung in Baustrohballen ist möglichst goldgelbes, langhalmiges Getreidestroh der Getreidesorten Weizen oder Roggen geeignet. Dieses kann aus konventionellem oder aus biologischem Anbau stammen. Bei der Ernte sollten Mähdrescher eingesetzt werden, die die Strohhalme möglichst lang lassen und mechanisch wenig belasten (z. B. Schüttler-Mähdrescher). Als Ballenpressen sind Kleinballenpressen sowie Quaderballenpressen geeignet. Baustrohballen sollen möglichst maßhaltig, quaderförmig und scharfkantig sein.

Weiterführende Informationen erhalten Sie in unserer Broschüre Strohgedämmte Gebäude

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