Bauen und Wohnen Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

Dach

Dach

Als Teil der Gebäudehülle müssen Dächer das Innere eines Gebäudes vor äußeren Einwirkungen schützen. Früher wurde das Dachgeschoss nicht ausgebaut, war daher bauphysikalisch unproblematisch und zudem ein guter Klimapuffer für die darunterliegenden Wohnräume. Die Holzbauteile der Dachkonstruktion waren gut belüftet und wenig feuchtebelastet und konnten so jahrhundertelang ihre Funktion erfüllen.

Neubau – Holzrahmenbau

Zur Schaffung eines winddichten Baukörpers sind eine Reihe von konstruktiven Maßnahmen notwendig, die sehr sorgfältig ausgeführt werden müssen. Bei einer praxisgerechten Konstruktion müssen folgende Forderungen erfüllt sein:

  • Winddichtung auf der Außenseite und Luftdichtung auf der Innenseite der Dämmung. Hierfür eignen sich z.B. Holzweichfaserplatten und großformatige Bahnen aus Spezialpapier, die miteinander verklebt werden.
  • die Anschlüsse der Luftdichtungsbahnen an die Seitenwände, Fußböden, Kniestöcke usw. sind mit Klebebändern oder mit aufgenagelten Latten zu schließen
  • die innen liegende Luftsperre kann gleichzeitig die Funktion einer Dampfbremse übernehmen
  • alle Einschnitte in der Dachhaut durch Dachflächenfenster, Lüftungsrohre usw. sind sorgfältig von innen und außen abzudichten
  • bei einer Überdachdämmung oder bei einer Hohlraumdämmung kann auf die Unterlüftung des Unterdachs verzichtet werden, wenn die Hohlräume vollständig mit kapillar- und feuchteregulierendem Material verfüllt und mit Holzweichfaserplatten abgedeckt sind
  • undichte haustechnische Durchdringungen können z.B. durch eine Installationsebene zwischen Außenwand und Innenwand mit vorgesetzter Innenschale weitgehend vermieden werden

Steildach: Neubau, hinterlüftet, mit Installationsebene

U-Wert in W/(m²K): 0,14 W/(m²K) - Beim Neubau wird die komplette Gebäudehülle und die Gebäudetechnik energetisch als Gesamtheit betrachtet. Empfohlende Vorgabe nach EnEV 2014 sind 0,16 W/(m²K)

DickeBaustoff
A Beton- oder Tondachziegelstein
B30,0Holz-Lattung (30/50)
C50,0Holz-Konterlattung
D50,0Holzweichfaserplatte (Unterdach)
E240,0Konstruktionsvollholz (KVH)
F240,0Naturdämmstoff (z.B. Zellulose, Flachs, Hanf, Holzfaser)
GDampfbremse
H24,0Holz Fichte Sparschalung (24/100) mit Naturdämmstoff in der Installationsebene)
I12,5Gipsfaser oder Lehmbauplatte

(Maße in mm)

Altbau – Sanierung

Bei bislang ungenutzten Dachräumen sind häufig die Dachlatten und die Dacheindeckung ohne Unterdach direkt auf die Sparren aufgebracht. Steht ein derartiges Dach zum Ausbau an

  • muss zunächst eine zweite wasserführende Schicht mit einer Distanz von mindestens 2 cm zwecks Hinterlüftung unterhalb der Dacheindeckung eingebaut werden (hydrophobierte Holzweichfaserplatten)

Da durch diesen Aufbau die Höhe für den Einbau der Dämmschicht stark reduziert wird, sollte der Sparren aufgedoppelt werden. Alternativ kann zur Erhöhung der Dämmstoffschicht auch mit einer zweiten Dämmebene unterhalb der Luftdichtung gearbeitet werden. Die Schichtdicke dieser auch als Installationsebene bezeichneten, zweiten Dämmebene darf nur maximal 20% der gesamten Dämmstoffstärke der Dachkonstruktion betragen (ansonsten können Probleme mit Tauwasser auftreten)

Steildach: Zwischensparrendämmung und Dämmelement (Sanierung von Außen)

U-Wert in W/(m²K):

Berechnungsgrundlage für U-Werte (inkl. Sparren) waren historische Baustoffdaten (Quelle: Pavatex)

DickeBaustoff
ABeton- oder Tondachziegel
B30,0Holz-Lattung (30/50)
C50,0Holz-Konterlattung (Mindesthöhe 50 mm)
D100,0Unterdeckplatten aus Holzfasern (hydrophobiert)
EDampfbremse bzw. diffusionsoffene Luftdichtungsbahn - auf diese kann verzichtet werden, wenn folgende Punkte beachtet werden* (weitere Infos siehe unten)
F120,0Naturdämmstoffe die auf Grund ihrer Faserstruktur und der Rohdichte unter Umständen viel Feuchtigkeit aufnehmen können (Zwischensparrendämmung)
G25,0Holzwolleleichtbauplatte (Bestand)
H15,0Kalkputz (Bestand)

(Maße in mm)

* Wichtige Informationen zur folienfreien Dachsanierung

Anwendungsbereich:

Diese Art der Sanierung kann angewendet werden, wenn die innere Bekleidung luftdicht ist. Nach DIN 4108 Teil 7 ist die Luftdichtigkeit mittels vorhandener Plattenwerkstoffe (Gipsfaser-, Gipskarton-, Faserzement-, Holzwerkstoffplatten)gegeben, sofern man die Luftdichtigkeit an Giebel-, Traufanschluss sowie Durchdringungen und Plattenstößen gewährleisten kann und keine Risse (Fugen) in der Fläche auftreten. In jedem Fall muss die luftdichte Schicht und deren Anschlüsse auf Fugen überprüft (ggf. Blower- Door- Test) und wenn nötig nachträglich abgedichtet werden.

Die Anforderungen der DIN 4108 Teil 3, Tauwasserbildung im Inneren von Bauteilen, sind dabei zu berücksichtigen.

Vorteile:

  • kein kompliziertes Verlegen der Dampfbremsbahn
  • das Risiko, die Bahn zu durchdringen, entfällt
  • bauphysikalisch sichere Konstruktionen

Randbedingungen für die Sanierung ohne neu zu verlegende Dampfbremsbahn:

  • Nicht für Neubauten z.B. mit neu eingebrachtem Nassestrich oder feuchtem Innenputz
  • Für Sanierungen (kann auf nachträglichen Eintrag von Nassestrich oder Putz nicht verzichtet werden, sollte grundsätzlich die Feuchtigkeit sehr kurzfristig wieder aus dem Gebäude abgelüftet werden. Dies kann z.B. durch konsequentes Fensterlüften - Kipplüftung Tag und Nacht - und soweit möglich durch Heizen erfolgen. Stoßlüftung ist nicht ausreichend, um die relative Luftfeuchtigkeit in der Bauphase auf Dauer zu verringern. In kalten Wintermonaten ist der Einsatz von Bautrocknern sehr empfehlenswert - vor allen Dingen dann, wenn ein Beheizen des Gebäudes noch nicht möglich ist).
  • nur für den Wohnraumbereich geeignet
  • Eingebaute Hölzer sind trocken (unter 20 % Holzfeuchte)
  • Die (flexible) Dämmschicht ist so auszuführen, dass eine seitliche Hinterströmung durch Luft verhindert wird (fest und hohlraumfrei einklemmen).
  • Nach Dachhaut-Öffnung sichtbare Fugen (insbesondere am Übergang zum Giebel oder Drempel) sind flexibel abzudichten und nach Möglichkeit durch die flexible Dämmung anzupressen / in der Lage zu fixieren.
  • Kehlen und Durchdringungen sauber gegen Eindringen von Flüssigwasser zu sichern.
  • Ein vollflächiger Kontakt zur flexiblen Dämmmatte muss gegeben sein. (Quelle: Homatherm)

Steildach: Zwischen- und Untersparrendämmung (Sanierung von Innen)

U-Wert in W/(m²K):

Berechnungsgrundlage für U-Werte (inkl. Sparren) waren historische Baustoffdaten (Quelle: Pavatex)

DickeBaustoff
ABeton- oder Tondachziegelstein (Bestand)
B30,0Holz-Lattung (30/50), (Bestand)
C20,0Luftschicht / Abstandslattung an Innenseite der Dachsparren
D120,0Dachsparren
E22,0Holzweichfaserplatte als Unterdach zwischen den Sparren an Abstandslattung befestigt
F100,0Naturdämmstoff (z.B. Zellulose, Flachs, Hanf, Holzfaser) als Zwischensparrendämmung
GDampfbremse
H60,0Naturdämmstoff (z.B. Zellulose, Flachs, Hanf, Holzfaser) als Untersparrendämmung
I12,5Gipsfaser oder Lehmbauplatte

(Maße in mm)

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