Bauen und Wohnen Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

Teppich

Viele Menschen schätzen den guten, alten Teppichboden, der auch zum Sitzen auf dem Boden einlädt. Er ist fußwarm und weich, dem Gestaltungsspielraum sind keine Grenzen gesetzt.

Anders als vor zwanzig Jahren decken Teppichböden heute nur noch zu knapp 50 Prozent den Markt an Bodenbelägen ab, glatte Beläge haben deutlich zugelegt.

Bei ökologischen Teppichböden wird meistens der Teppichflor mit dem Naturlatex-Compound stabilisiert und mit einem Zweitrücken aus Jute oder Baumwolle verklebt.

Das sichtbare Flormaterial unterscheidet sich grundsätzlich in synthetische Kunststofffasern, tierische und pflanzliche Naturfasern und Teppiche aus Mischfasern.

Nur wenige Hersteller achten auch beim Trägermaterial und der Flor- und Trägerverklebung auf Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen.

Rund 90 Prozent der textilen Bodenbeläge bestehen aus Kunstfasern wie Polyamid, Polyacryl, Polyester oder Polypropylen und kommen stärker zum Einsatz, weil sie über die für Hotels, Büros und öffentliche Einrichtungen erforderlichen technischen Ausrüstungen wie Flammschutzchemikalien verfügen.

Nur etwa zehn Prozent der textilen Bodenbeläge bestehen aus Wolle und Ziegenhaaren, Wolle-Synthetik-Gemischen, Sisal, Kokos, Seegras, Jute, Seide oder Baumwolle.

Alle Naturfaser-Teppichböden zeichnen sich durch raumklimaverbessernde Eigenschaften aus. Beispielsweise ist Schafwolle äußerst atmungsaktiv. Sie nimmt bis zu einem Drittel ihres Gewichts an Feuchtigkeit auf. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen können Wollteppiche sogar Raumluftschadstoffe wie Formaldehyd abbauen.

An textile Bodenbeläge werden gemäß der Agenda 21 und der staatlichen Umweltpolitik hohe Anforderungen an die Recyclingfähigkeit, leichte Entsorgbarkeit und Umweltkriterien gestellt. Die hohen technischen Ansprüche können bisher meist nur mit massiven chemischen Nachrüstungen erreicht werden, die Gesundheitsrisiken bergen. Verbraucher wünschen sich zunehmend sozial-, umwelt- und gesundheitsverträglichere Bodenbeläge, und die Hersteller von Qualitäten aus nachwachsenden Rohstoffen haben in Bezug der Alltagstauglichkeit ihre Produkte verbessert.

Die meisten der verkauften Teppichböden sind aus Kunstfasern, allein 70 Prozent aus Polyamid. Rund 80 Prozent Teppichbeläge sind äußerst schwer zu entsorgen, denn sie sind heterogen, also aus unterschiedlichen Stoffgruppen zusammengesetzt. Sie können nur mit Hilfe der umweltproblematischen Müllverbrennung vernichtet werden.

Beim getufteten Teppich aus Naturfasern (z.B. Schurwolle oder Ziegenhaar/Schurwolle) muss im Gegensatz zum gewebten Teppich ohne Rückenbeschichtung der Träger zur Stabilisierung verklebt (vorbeschichtet) werden, was am besten mit Naturharzklebern geschehen sollte und nicht mit synthetischen Klebern.

Oftmals werden für die Vor- und Rückenbeschichtung das problematische Styrol-Butadien-Copolymerisat mit diversen Hilfsstoffen und Aluminiumhydroxid als Flammschutzmittel eingesetzt. Deshalb kann man selbst Naturfaserbeläge mit einer komplett synthetischen Rückenbeschichtung und einem dafür typischen „Neugeruch“ im Handel vorfinden.

Wollteppiche mit dem Wollsiegel oder dem Teppichsiegel GuT (Gemeinschaft umweltfreundlicher Teppich e.V.) enthalten zwischen 80 und 200 mg/qm des Mottenschutzmittels Permethrin. Dass es auch anders geht, zeigen Hersteller von Naturteppichböden, die in manchen Qualitäten kein Permethrin einsetzen, oder höchstens 0,1 und 5,0 mg/qm. Als Motten- und Milbenschutz für Naturteppichböden empfiehlt sich das pflanzliche und weitaus gesundheitsverträglichere Neemöl.

Echte Naturteppichböden ohne Kunststoffe oder Hilfsstoffe sind im Gegensatz zu konventionellen Bodenbelägen sogar kompostierbar.

Bei regelmäßiger Reinigung (Staubsauger mit HEPA-Filter) können Teppichböden für Hausstaub(milben)-sensibilisierte Allergiker eher vorteilhaft sein, denn der im Teppichboden adsorbierte Staub wird gebunden und nicht so leicht wie bei glatten Fußböden aufgewirbelt.

Alle Naturfaser-Teppichböden zeichnen sich durch folgende Eigenschaften aus:

  • Sie gleichen die Luftfeuchtigkeit aus und sorgen für ein angenehmes Raumklima.
  • Sie fühlen sich stets warm an.
  • Sie laden sich kaum statisch auf.
  • Sie werden umweltschonend aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt.
  • Sie dämmen den Trittschall und besitzen einen hohen Gehkomfort.

Schafwolle ist äußerst atmungsaktiv. Sie nimmt bis zu einem Drittel ihres Gewichts an Feuchtigkeit auf. Das im Garn enthaltene Restfett (Lanolin) bildet einen natürlichen Schutz gegen Verschmutzung.

Ziegenhaar und Schafwolle als Mischgewebe ergeben einen sehr robusten, elastischen und antistatischen Teppichboden. Als Sonderprodukt wird über den ökologischen Fachhandel ein Ziegenhaarteppich mit Naturkautschuk-Klebebett, Juterücken und ohne Mottenschutz-Ausrüstung angeboten. Er ist nach seiner langen Nutzungszeit sogar kompostierbar.

Kokosteppich wird aus den Hüllfasern der Kokosnuss gewonnen. Eine enorme Scheuer- und Reißfestigkeit zeichnet diese Material aus. Daneben dämmt es hervorragend den Trittschall. Wenn kein synthetischer Rücken verarbeitet wurde, ist der Teppich komplett biologisch abbaubar. Sisal besteht aus den besonders reißfesten Blattfasern der Sisalagave. Der Bodenbelag eignet sich sowohl für den Wohn-, als auch für den Objektbereich. Das Material ist wärme-dämmend, schwer entflammbar und fügt sich nach Gebrauch ohne Probleme wieder in den natürlichen Stoffkreislauf ein.

Weitere Naturfasern, aus denen Teppiche gefertigt werden, sind Baumwolle, Seegras, Jute oder Zellulose (Papier).

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Basisdaten Nachwachsende Rohstoffe