Bauen und Wohnen Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

Hanf

Hanf (Cannabis sativa L.) gehört in Europa zu den Pflanzen mit der längsten Anbautradition. Angebaut werden rauschmittelarme Sorten mit weniger als 0,3 % Tetrahydrocannabinol (THC). In ca. 120 Tagen Vegetationszeit erreicht Hanf eine Höhe von bis zu 3 m und eine Masse von 10-12 t pro ha. Der Faseranteil beträgt ca. 30 %.

Hanf ist eine äußerst anspruchslose Pflanze, die einen Anbau ohne Herbizide und Insektizide erlaubt. Dank des raschen Wachstums der Pflanze können sich „Unkräuter" mangels Licht nicht entwickeln und Samen bilden. Somit bietet sie auch für das Folgejahr die Voraussetzung für unkrautarme Vegetation und damit den Verzicht des Einsatzes von Herbiziden.

Weltweit gesehen ist die Hanfindustrie auf dem Vormarsch, seit 1996 ist auch in Deutschland der Anbau von einigen THC-armen Sorten wieder erlaubt. In der Vergangenheit wurde Hanf vor allem für die Herstellung von Kleidung, Papier, Öl und Medizin verwendet. Inzwischen werden die hervorragenden Eigenschaften mit steigendem Interesse auch im Baubereich genutzt.

Hanfpflanze, Quelle: FNR
Hanfpflanze
Hanf-Feld

Herstellung und Zusammensetzung

Für die Dämmstoffproduktion trennt man das Hanfstroh in Fasern und Schäben. Die Hanffasern werden zu Dämmmatten oder Stopfdämmung verarbeitet, die verholzten Schäben zu Schüttdämmstoffen oder festen Platten.

Für die Dämmmatten und die Rollenware werden in der Regel synthetische und seit kurzem auch Stützfasern aus PLA (Polylactid auf Basis von Pflanzenstärke) eingesetzt. Als Brandschutzmittel wird je nach Hersteller Soda oder Amoniumphosphat verwendet.

Hanfdämmwolle und Hanflehmkombinationen kommen teils ohne Zusatzstoffe aus und sind dann zu 100 % kompostierbar gemäß Bioabfall- und Kompostverordnung (BioKomV).

Hanfdämm-Matte

Anwendungsgebiete und Verarbeitung

Hanfmatten und Stopfwolle können als Dämmung für Wand, Dach und Boden eingesetzt werden (außer Perimeterdämmung). Im Dach kommen sie als Zwischensparren- und Aufdachdämmung zum Einsatz, in Decken und Wänden als Dämmung zwischen konstruktiven Hölzern. Hanf ist gut hautverträglich und lässt sich staubarm verarbeiten. Für den Fußbodenaufbau bieten sich bitumen- oder lehmummantelte, verdichtungsfähige Hanfschäben an. Hanfvliese finden sowohl als Trittschalldämmung als auch im industriellen Bereich vielfache Anwendung.

Die Hanfdämmmatten werden mit einem Dämmstoffmesser (Kleinmengen) oder einem elektrischen Fuchsschwanz mit Übermaß zugeschnitten und dann in die Konstruktion eingeklemmt bzw. bei kleineren Stärken angetackert.
Das Stopfmaterial wird händisch in einen zuvor geschaffenen Hohlraum eingefüllt, wobei die vom Hersteller angegebene Dichte erreicht werden muss.
Bei Einblasdämmstoffen wird für den Einbau eine Einblasmaschine verwendet, wie sie in ähnlicher Form seit einigen Jahrzehnten auch für die Verarbeitung der Zellulose benutzt wird.

Bauphysikalische Eigenschaften

Seine Diffusionseigenschaften garantieren eine gute Feuchtigkeitsregulierung und ein angenehmes Raumklima. Die Produkte zeichnen sich durch positive Auswirkungen auf das Raumklima aus, sind angenehm in der Verarbeitung und bieten auch hohe Schalldämmung. Hanffasern enthalten kein Eiweiß, deshalb entfällt eine Behandlung gegen Motten und Käfer. Hanfdämmstoffe sind natürlich geschützt gegen Schadinsekten und Schimmelbefall, wirken feuchtigkeitsregulierend und bieten einen sehr guten sommerlichen Hitzeschutz.

Hersteller

Hersteller und Produkte finden Sie in der aktuellen Marktübersicht Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen und in unserer Datenbank.

Technische Daten

Dämmmatten

  • Wärmeleitfähigkeit λ [W/mK): 0,039 - 0,047
  • Diffusionswiderstandszahl μ: 1-2
  • spezifische Wärmekapazität c [J/kgK]: 1.600-2.300
  • Rohdichte ρ [kg/m³]: 30-110

Stopfhanf

  • Wärmeleitfähigkeit λ [W/mK): 0,048
  • Diffusionswiderstandszahl μ: 1-2
  • spezifische Wärmekapazität c [J/kgK]: 2.200
  • Rohdichte ρ [kg/m³]: 50-60

(auf Angaben der Hersteller beruhend)

HolzbauPlus
Basisdaten Nachwachsende Rohstoffe