Bauen und Wohnen Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

Dachdeckungen

Einführung

Dächer und Dachformen weisen eine große Variationsbreite auf. Da ihre Flächen unmittelbar der Witterung ausgesetzt sind, beeinflusste die Häufigkeit von Niederschlägen, die Wahrscheinlichkeit von hohen Schneelasten oder eine extreme Sonneneinwirkung die Auswahl der verwendeten Baustoffe. Außerdem sind bei den Dächern regionale und gesellschaftliche Unterschiede mehr als deutlich: Handwerkerhäuser haben andere Dächer als Königsschlösser. Während in gebirgigen Regionen bis in die Neuzeit Holzschindeln oder Schiefer verwendet wurden, trifft man im Flachland noch heute Reetdächer an. Durch die gute Haltbarkeit von gebrannten Ziegeln und die relativ flächendeckende Verbreitung von Ziegeleien werden diese am häufigsten verwandt.

Holz

Holz als Bedachungsmaterial kam in der Vergangenheit je nach Art des Gebäudes in unterschiedlichen Formen zum Einsatz. Es wurde im Laufe der Zeit durch Ziegel und Schiefer ersetzt. Aufgrund des gestiegenen Umweltbewusstseins könnte Holz als Dachdeckungsmaterial in Form von Schindeln eine neue Renaissance erleben.

Schindeln sind handgespaltene Holztafeln, meist aus in der Umgebung vorrangig zu findenden Holzarten, so z.B. aus Tannen-, Kiefern-, Lärchen- oder Eichenholz, in Nordamerika z.B. Zedernholz. Je nach Holzart haben Holzschindeldeckungen eine lange Lebensdauer. Für Regionen mit trockener Luft werden bis zu 100 Jahre genannt.

Schindeln werden schuppenförmig verlegt. Nach Verlegeart unterscheidet man Leg- und Scharschindeln, wobei Legschindeln nur noch in der Altbausanierung zum Einsatz kommen. Diese werden bei flach geneigten Dächern auf Rundstangen aufgelegt, so dass sie sich dreifach überdecken. Die Rundstangen sind mit Holzpflöcken auf den Latten festgehalten, die Schindeln mit Steinen gegen Abheben beschwert. Der First wird ähnlich wie beim Schieferdach ausgebildet. Scharschindeln werden auf Lattung oder Schalung genagelt. Sie sind an einer Seite genutet und an der Gegenseite angespitzt, so dass eine gewisse Überlappung sichergestellt ist. Die Nagellöcher werden vorgebohrt.

Reet

Reet/Ried war in früherer Zeit das Deckungsmaterial der armen Leute. Heutzutage sind Rieddächer etwas "Besonderes", da die Eindeckung zeit- und arbeitsintensiv ist. Das Eindecken mit handgedroschenem Winterroggenstroh (Langstroh) ist dagegen kaum mehr anzutreffen. Diese sogenannten Weichdächer bieten gute Wärmedämmeigenschaften, sind leicht, dicht, windsicher und bei einfacher Pflege langlebig. Von Nachteil ist die Empfindlichkeit des Materials gegenüber Feuer und Funkenflug, so dass heute bauaufsichtliche Mindestabstände etc. beachtet werden müssen.

Man unterscheidet das genähte und das gebundene Dach. Bei dem genähten Dach werden die Stroh- oder Reetbunde mit 1,5 cm starkem, verzinkten Draht in mehreren 10 cm dicken Lagen auf die Latten genäht.
Das gebundene Dach unterscheidet sich davon insofern, dass mit Hilfe von "Bandstöcken" die Reetbündel an die Lattung angepresst werden und die Bandstöcke an den Latten festgebunden werden.
Der Firstbereich ist der Schwachpunkt des reetgedeckten Daches, denn hier stoßen von beiden Seiten die Riedbündel zusammen, und die Gefahr der Beschädigung ist sehr groß. Aufgrund der Sprödigkeit des Materials ist ein Knicken des Rohrs auf die andere Seite des Daches jedoch nicht möglich, so dass der First mit Gras- oder Heidelagen abgedeckt werden kann.

Gründach

Gründächer tragen zu einem angenehmen Stadtklima bei und verbessern außerdem den sommerlichen und winterlichen Wärmeschutz eines Gebäudes. Sie dienen der Retention von Regenwasser und schützen die äußere Dachhaut vor Temperaturextremen.

Jedes Flachdach kann nachträglich mit einer Dachbegrünung versehen werden, wenn die Dachkonstruktion hierfür geeignet und hinreichend abgedichtet ist. Das Dach muss so belastbar sein, das seine Konstruktion das erhöhte Gewicht des Substrates tragen kann. Auch geneigte Dächer bis zu etwa 15 Grad Neigung eignen sich für einen nachträglichen Gründachaufbau, wenn Statik und Dachunterkonstruktion dies erlauben. Bei der Dachbegrünung wird zwischen extensiver und intensiver Dachbegrünung unterschieden. Während die extensive Begrünung aus einem 3 bis 15 cm hohen Substrataufbau besteht, wird für eine intensive Begrünung eine Vegetationsschicht von etwa 15 bis 45 cm benötigt.

Schiefer

Schiefer ist ein Material von optimaler Spaltbarkeit und wurde schon von den Römern geschätzt. Unterschieden werden mehrere Typen von Schieferformen: die Schuppe, das Rechteckformat, die Spitzwinkelplatte und Bogenschnittplatten. Je nach Schieferform und Verwendung derselben ergeben sich verschiedene Deckungen, so z.B.

  • die altdeutsche Deckung und altdeutsche Doppeldeckung
  • die Deckung mit deutschen Schuppenschablonen
  • die Deckung mit Rechteckschablonen
  • die Deckung mit Fischschuppen- oder Spitzwinkelschablonen

Die Schieferplatten werden auf eine in der Regel 24 cm dicke, absolut trockene Dachschalung genagelt. Schiefer gehört mit einer Regelhaltbarkeit von 100 Jahren zu den dauerhaftesten Deckungsmaterialien. Die deutschen Schiefervorkommen sind nahezu erschöpft.

Ziegel

Dachziegel stellen eine der ältesten Dachdeckungen dar. Seit der Antike im Mittelmeerraum verwendet, setzten sie sich auch in Mitteleuropa gegen die überkommenen Deckungen (z.B. Stroh, Reed) durch, da sie die Brandgefahr verringerten und ein leichteres Auswechseln einzelner Elemente möglich war. Tonziegel gibt es in einer großen Vielfalt an Formen, Formaten und Färbungen. Sie bestehen in der Regel aus Lehm mit einem Tongehalt von 40-60 % und sind in der Verarbeitung wie auch Entsorgung unproblematisch.

Nach der Art der Herstellung werden unterschieden:

  • Strangdachziegel mit Hohlpfannen, Strangfalz- und Biberschwanzziegeln
  • Pressdachziegel mit der Gruppe der Krempziegel, Falz- und Flachdachpfannen sowie der Falzziegel und Reformpfannen

Der im gesamten norddeutschen Raum dominierende Ziegel ist die Hohlpfanne. Diese ist - wie der Krempziegel - aus antiken Vorbildern entstanden, als man nach Alternativen zu den Halbschalen im Mörtelbett suchte. Die Hohlpfanne ist eine flache Schale, deren rechte Seite mit einer Krempe versehen ist, mit der sie die neben ihr liegende zweite Pfanne überdeckt. Zwei gegenüberliegende Ecken der Pfannen sind abgeschrägt, um eine vierfache Überdeckung abzuwenden.

Der Flachziegel - auch Biberschwanz genannt - ist gekennzeichnet durch sein ebenes, allenfalls schwach gewölbtes Profil. Er löste die Deckung mit Holzschindeln ab, deren Form und Aussehen er imitiert. Unterschieden werden drei Formen der Deckungen:

  • Die einfache Deckung mit einem flachen Brettchen zum Abdichten unter den Fugen - auch Spließdach genannt.
    (Bei der einfachen Deckung mit Versatz fällt die Unterlage weg, jedoch sind Sonderformate für den Ortgang erforderlich.)
  • Die Doppeldeckung, die auf eine engere Lattung aufgebracht wird und bei der sich - je nach Form der Ziegel - ein Sechskant- oder Rautenmuster ergibt.
  • Die Kronendeckung, bei welcher der die Krone bildende Biberschwanz nicht auf einer Lattung, sondern auf der Kante des darunterliegenden Ziegels aufliegt.

Der Falzziegel steht in dieser Entwicklung am Ende der Aufzählung. Er ist rundum von Falzen versehen und erreicht dadurch eine Dichtigkeit, die kein anderer Ziegel ohne Mörtelverfugung für sich in Anspruch nehmen kann. Seit 1883 ist der Strangfalzziegel - benannt nach der Herstellung mit Hilfe der Strangpresse - gebräuchlich. Diese Ziegel werden trocken verlegt und durch Verdrahten oder Verklammern gegen Windsog befestigt.

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