Bauen und Wohnen Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

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Erfolgreicher Auftakt der Veranstaltungsreihe „Charta für Holz 2.0 im Dialog“

Bauen mit Holz muss als Beitrag zum Klimaschutz in der Breite ankommen

Über 130 Experten aus den Bereichen Bauen und Umwelt sowie Forst und Holz kamen am 11. Dezember in Berlin zusammen, um unter der Fragestellung „Mensch, Stadt, Land, Ressourcen – Wie wollen wir in Zukunft leben?“ über mögliche Lösungsansätze für mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit im Bausektor zu diskutieren. Denn ob in großen Schwarmstädten wie Berlin, Hamburg oder München oder in Teilen des ländlichen Raumes – es besteht ein enormer Bedarf an Wohnraum, aber auch an Industrie- und Gewerbebauten und öffentlichen Gebäuden. Um diesen Bedarf zu decken, sind mit Blick auf zukünftige Generationen intelligente Lösungen gefragt, die Klimaschutz und Nachhaltigkeit von der Erstellung bis zum Rückbau und Recycling von Gebäuden bereits bei der Planung mitberücksichtigen.

Bauen mit Holz ist aktiver Klimaschutz

Gebäude aus Holz speichern Kohlenstoff. Dieser Effekt ist besonders groß, weil Holzprodukte im Bauwesen lange eingebaut bleiben und so der im Holz enthaltene Kohlenstoff langfristig gebunden bleibt. Zusätzlich können energieintensivere Baustoffe durch Holz ersetzt und dadurch CO2-Emissionen gesenkt werden. Eine Ausweitung des Holzeinsatzes im Bausektor stellt derzeit klimapolitisch das größte aus der Holzverwendung umsetzbare Potenzial dar. Die Veranstaltungsteilnehmer waren sich einig, dass der Holzbau beim Klimaschutz ein Teil der Lösung sein kann. In diesem Kontext wurde das Erfordernis zur Bewertung und Berücksichtigung der „grauen Energie“ – die für die Herstellung, der Verarbeitung, der Entsorgung oder der Wiederverwertung aufgewendet werden muss – thematisiert. Denn mit steigendem Einsatz erneuerbarer Energien wird auch im Gebäudebereich der relative Anteil der Treibhausgasbilanz aus der Errichtung und dem Rückbau von Gebäuden an Bedeutung gewinnen. Daher sollten aus Sicht vieler Teilnehmer Instrumente zur stärkeren Einbeziehung des gesamten Lebenszyklus von Gebäuden  überprüft und stärker in die Praxis der Bauplanung, aber auch bei Regulierung und Förderung des Bauens mit einbezogen werden.

Bund, Länder und Kommunen – alle sind am Zug

Ob Nachverdichtung, Lückenschließung, Neubau oder aber auch bei der vorausschauenden Planung von Umnutzungen, das Bauen mit Holz bietet viele Vorteile – für Mensch, Klima und Umwelt. Doch gerade in den Städten und im mehrgeschossigen Bau ist der Holzbau noch deutlich unterrepräsentiert. Dies , obwohl die technischen und wirtschaftlichen Vorzüge des Baustoffs auf der Hand liegen: Kurze Bauzeiten, ein geringes Gewicht bei hoher Tragfähigkeit und Flexibilität bei der Aufstockung von Gebäuden oder der Wohnraumerweiterung und Umgestaltung sind Pluspunkte gerade auch für die Nachverdichtung im urbanen Raum. In der Diskussion wurde deutlich, dass verschiedene Regelungen, ob Muster- oder Landesbauordnungen, aber auch im Bereich der Normung in der Praxis zu einer Benachteiligung des Baustoffs Holz gegenüber anderen Baustoffen führen. Bei den Teilnehmern bestand Einigkeit darüber, dass alle administrativen Ebenen gefordert sind, ungerechtfertigte Hemmnisse abzubauen, gleiche Ausgangsbedingungen zu schaffen und Effekte zur Einsparung von Treibhausgasen im Bausektor zu honorieren. Nachhaltigkeit müsse zum Kern des Bauprozesses und der Planung werden. Um notwendiges aber oftmals fehlendes Fachwissen und mangelnde Erfahrung bei Vertretern von Kommunen auszugleichen, wurde der Wunsch nach mehr Beratung und Aufklärung für Kommunen deutlich. Dabei seien neben der Ebene der öffentlichen Bauplaner in den Behörden auch die Entscheider, ob Bürgermeister oder Stadt- und Gemeinderäte, anzusprechen.

Zukunftsthema Urban Mining

Auf großes Interesse bei den Teilnehmern stieß das Thema Urban Mining, d.h. die Nutzung der Stadt als Rohstofflager, denn der Rückbau von Gebäuden, d.h. die Entsorgung von Baustoffen, wird in Zukunft immer wichtiger werden. Auch hier bietet Holz viele Vorteile. Im Gegensatz zu mineralischen Baustoffen kann Holz recycelt werden und es findet nicht automatisch ein Downcycling statt. Als ein Lösungsansatz für die Zukunft wurde diskutiert, Bauanträge verpflichtend mit Rückbau-Konzepten zu koppeln sowie Stoff- und Materialpässe für Gebäude zu erstellen, um nachfolgenden Generationen den Rückbau zu erleichtern. Auch für diese Zwecke wurde das Konzept des „Building Information Modelling“ als besondere Chance der Digitalisierung bewertet.

Hintergrund: Charta für Holz 2.0

Zahlreiche Leuchtturmprojekte in Holzbauweise belegen, dass es möglich ist, ressourceneffizient und nachhaltig zu bauen. Um den Holzbau von der Nische in den Mainstream zu tragen, bedarf es noch mehr Aufklärung als auch des Ausbaus der ressortübergreifenden Zusammenarbeit. Mit dem Auftakt zur Veranstaltungsreihe „Charta für Holz 2.0 im Dialog“ hat das BMEL die Grundlagen dafür geschaffen. Als Meilenstein im Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung zielt die Charta für Holz 2.0 darauf ab, den Beitrag von Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft zu stärken – zugunsten von Klimaschutz, Wertschöpfung und Ressourceneffizienz. Das vielfältige Veranstaltungsprogramm, das breite fachliche Spektrum der Teilnehmer als auch die aktive Beteiligung von Vertretern des Bundesbau- und des Bundesumweltministeriums an der Podiumsdiskussion und Workshops wurden von den Veranstaltungsteilnehmern sehr positiv aufgenommen.

Pressekontakt:
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.
Christiane Maack
Tel.: +49 3843 6930-184
Mail: c.maack(bei)fnr.de

PM 2018-77


Podiumsdiskussion unter der Fragestellung „Mensch – Stadt – Land – Ressourcen: Den Wandel nachhaltig gestalten, aber wie?“ mit Ingeborg Esser, Hauptgeschäftsführerin GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, Prof. Dipl.-Ing. Annette Hillebrandt, Architektin BDA, Lehrstuhl Baukonstruktion/ Entwurf/ Materialkunde der Bergischen Universität Wuppertal, Prof. Dr.-Ing. Stefan Winter, Lehrstuhl Holzbau und Baukonstruktion der Technischen Universität München, MinDirig Lothar Fehn Krestas, Leiter der Unterabteilung Bauwesen, Bauwirtschaft, Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, Dr. Harald Bajorat, Referatsleiter Nationale und grundsätzliche Angelegenheiten der Ressourceneffizienz, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit und Cajus Caesar, Waldbeauftragter des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (v.l.n.r.)


Charta für Holz 2.0 im Dialog - Eröffnung durch Bundesministerin Julia Klöckner, Quelle: BMEL/photothek.net
Charta für Holz 2.0 im Dialog - Eröffnung durch Bundesministerin Julia Klöckner, Quelle: BMEL/photothek.net
 
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