Bauen und Wohnen Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

Flachs

Von der Natur entworfen und mit enormer Widerstandsfähigkeit ausgestattet, wird der Rohstoff Flachs schon seit über 5.000 Jahren für die verschiedenen Produkte des täglichen Lebens genutzt. Die bekanntesten Anwendungen sind Leinen als Kleidungsstoff, Leinsamen als Lebensmittel und Leinöl als Grundstoff für Farben und Kosmetika. Für den Einsatz im Bau wurde der vielfaltige Nutzen von Flachs erweitert und findet in der Entwicklung von Dämmstoffmatten, Platten, Vliesen, Schüttgut, Einblasdämmung und Stopfwolle für die Wärme- und Schalldämmung einen Höhepunkt.

Herstellung und Zusammensetzung

Für die Herstellung von Flachs­dämmstoffen werden die in der Textilindustrie nicht verwertbaren Kurzfasern der traditionellen mitteleuropäischen Flachspflanze (Faserlein) eingesetzt.

Üblicher­weise wird Röstflachs genutzt, bei dem die mit Teilen der Wurzeln geernteten Pflanzen einige Wochen auf dem Feld belassen werden. Während der Röste werden die Faserbestandteile durch Mikroben voneinander gelöst. Eine weitere Isolierung der Kurzfasern von den Langfasern und Schäben erfolgt durch Brechen in einer Schwinge.

In einer Vliesstoffkrempel werden aus den Kurzfasern Flore gebildet. Das sind sehr dünne Faserbahnen. Dafür laufen die Fasern zwischen Nadelwalzen hindurch und werden dort mechanisch verfilzt. Die einzelnen Bahnen werden zu verschieden starken Dämmplatten geschichtet, durch Bindemittel oder Stützfasern verbunden und in handliche Formate zugeschnitten.

Zusatzstoffe können Stützfasern aus PE oder Pflanzenstärke und Brandschutzmittel (Soda, Borsalze o. ä.) sein.

Neben den Dämmplatten wird Flachs als Flachsfilz in unterschiedlichen Breiten, Flachsstreifen sowie als Stopfmaterial, Schüttgut und Einblasdämmung ohne Zusatzstoffe angeboten.

Der Flachs für die Dämmstoffverarbeitung kommt auf relativ kurzen Transportwegen vorwiegend aus Frankreich, Belgien und den neuen Bundesländern. Die Flachspflanze ist relativ resistent gegen Schädlinge und sollte deshalb mit geringem Spritzmitteleinsatz im ökologischen Landbau angebaut werden.

Flachsdämmstoffe ohne Zusatzstoffe, wie Flachsschüttung, können problemlos kompostiert oder zum Beispiel als Mulchmaterial weiter benutzt werden.

Anwendungsgebiete und Verarbeitung

Aus bautechnischer Sicht besitzen Dämmstoffe aus Flachs (und auch aus Hanf) eine hohe Formbeständigkeit, schrumpfen also nicht im eingebauten Zustand. Flachsbaustoffe verursachen keine Hautreizungen und sind problemlos zu verarbeiten. Dies kommt besonders Bauherren entgegen, die in Eigenleistung bauen.

Eingesetzt werden die Dämmplatten und Einblasdämmung für Wände, Decken- und Dachausbau, die Flachsstreifen, Vliese und Schüttung vor allem im Fußbodenbereich, das Stopfmaterial für Fenster und Türenabdichtungen.

In der Perimeterdämmung kann Flachs, wie die meisten Naturdämmstoffe, nicht angewendet werden. 

Bauphysikalische Eigenschaften

Flachs ist auf Grund seiner natürlichen Bitterstoffe von Natur aus resistent gegen Schädlingsbefall durch Insekten oder Nagetiere, widerstandsfähig gegen Fäulnis und Schimmelbefall und somit ideal für eine nachhaltige Bauweise. Dämmstoffe aus Flachs sind zugfest und dehnbar und können unbeschadet Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben. Ein großes Plus der Flachsdämmstoffe aus bautechnischer Sicht ist die hohe Formbeständigkeit, sie schrumpfen also nicht im eingebauten Zustand. Brandschutzklasse B2 wird durch den Zusatz von brandhemmenden Stoffen erreicht.

Flachsdämmstoffe bieten einen sehr guten Wärme- und Schallschutz und  weist günstige Eigenschaften beim sommerlichen Hitzeschutz auf.

Hersteller

Hersteller und Produkte finden Sie in der aktuellen Marktübersicht Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen und in unserer Datenbank.

Technische Daten

Flachsmatten:

  • Wärmeleitfähigkeit λ [W/mK): 0,036 - 0,040
  • Diffusionswiderstandszahl μ: 1-2
  • spezifische Wärmekapazität c [J/kgK]: 1.550 - 2.300
  • Rohdichte ρ [kg/m³]: 30 - 40

(auf Angaben der Hersteller beruhend)

HolzbauPlus
Basisdaten Nachwachsende Rohstoffe